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Bin ich hochsensibel?

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„Sei doch nicht so empfindlich“, „jetzt reagierst du aber über“, „du steigerst dich da rein“, alles Sätze, die ich in den letzen 38 Jahren immer wieder gehört habe. Vor kurzem habe ich jedoch einen Beitrag der lieben Ellathebee auf Youtube geschaut.  In dem Video geht es um ihre Hochsensibilität. Beim schauen des Videos dachte ich so oft : „Oh man, ich kenne das was sie da beschreibt.

Bisher dachte ich von mir immer,

 

  • ich bin nah am Wasser gebaut – ich heule sofort bei traurigen, rührenden oder süßen Szenen im TV oder Kino
  • ich grübbel viel zu viel und intensiv – Frau eben (voll das Klischee)
  • ich lasse mich schnell mitreißen und für Dinge begeistern
  • ich lasse  mich stark durch die Stimmung anderer beeinflussen, sowohl positiv als auch negativ
  • ich erlebe meist bei positiven Dingen einen langer emotionaler „Nachklang“ – meine Hochzeitsreise auf Hawaii hat bestimmt zwei Jahre nachgeklungen, solange habe ich davon regelrecht geschwärmt
  • ich bin sehr Harmoniebedürftig – ich hasse Streit, muss Dinge vor dem Schlafen gehen klären, kann sonst nicht schlafen
  • ich habe einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn
  • ich bin ein Kontrollfreak – in Situationen, die ich nicht selber nicht kontrollieren kann, werde ich panisch oder wenigstens sehr stark gereizt, sei es bspw. beim Fliegen oder als Beifahrer
  • ich bekomme Panik in großen, lauten Mengen, wie Weihnachtsmärkte o.ä. – das war für mich immer eine Art Platzangst

Also habe ich mich intensiver mit diesem Thema beschäftigt. Denn ich muss zugeben, dass ich bis zu dem Video von Ella davon noch nicht wirklich etwas gehört hatte. Es gehört halt leider auch zu den Themen über die man einfach nicht spricht. Man ist halt einfach überempfindlich oder ein wenig „sonderbar“. Denn neben positiven Auswirkungen der Hochsensibilität gibt es natürlich auch negative Auswirkungen und die sind es, die auffallen.

 

Zu aller erst sei gesagt, dass Hochsensibilität keine Krankheit, kein Splien oder eine Macke ist, die man hat. Es ist ein psychologisches und neurophysiologisches Phänomen. Betroffene nehmen Sinnesreize, wie Geräusche, Licht, Gerüche etc. viel intensiver wahr. Aber auch hier gibt es Abstufungen, der eine nimmt es mehr, der andere weniger wahr. Die Bandbreite möglicher Erscheinungsformen ist somit sehr groß.

 

Hochsensibilität ist somit kein einheitliches Merkmal. Es gibt drei Grundtypen, also drei Bereiche (sensorisch, emotional, kognitiv) in denen Hochsensibilität auftritt. Die meisten hochsensiblen Menschen sind Mischtypen, so auch ich, das heißt dass sie meist Merkmale von zwei oder sogar allen drei Bereichen aufweisen:

 

„Sensorisch hochsensible Menschen besitzen eine besonders feine Sinneswahrnehmung, nehmen Sinneseindrücke außerordentlich intensiv und detailliert wahr und verarbeiten diese eingehender. Sie können sich also beispielsweise durch eine besondere akustische Feinwahrnehmung (z. B. Geräusche, Stimmen, Töne, Musik), eine ausgeprägte Wahrnehmung von Gerüchen und/oder Geschmackseindrücken, eine besondere detaillierte Wahrnehmungsfähigkeit für optische Eindrücke (Licht, Farben, Formen, Muster, feine Details, Ästhetik, periphere, multifokale oder eidetische (fotografische) Wahrnehmung, Wahrnehmen und Analysieren komplexer optischer Szenerien mit vielen Informationen ähnlich einer hochauflösenden Foto- oder Filmkamera) oder einen feinen Tastsinn auszeichnen. Häufig sollen sie auch besondere Begabungen in musischen, künstlerischen, ästhetischen Bereichen besitzen, aber auch zu besonderer Empfindlichkeit gegenüber Sinneseindrücken und zu Reizüberlastung neigen.

 

Emotional hochsensible Menschen reagieren besonders auf Feinheiten im zwischenmenschlichen Bereich und verfügen über große Empathie. Sie sind mitfühlend, hilfsbereit und oft besonders gute und genaue Zuhörer mit großer zwischenmenschlicher Intuition. Nachteile sind oft, dass sie leicht Stimmungen und Probleme ihrer Mitmenschen in sich aufnehmen und mitempfinden und von der Last ihrer Wahrnehmungen überfordert werden. Zuweilen reagieren sie in Gesprächen auf die Untertöne des Gesprächspartners (nonverbale Kommunikation) stärker als auf die ausgesprochene Botschaft.

 

Kognitiv hochsensible Menschen besitzen ein starkes, intuitives ‚Gefühl‘ für Logik und für ‚Wahr oder Falsch‘. Sie denken häufig in sehr komplexen Zusammenhängen und sind auch zu lateralem und multiperspektivischem Denken fähig. Oftmals sollen sie besondere Begabungen auf wissenschaftlichem oder technischem Gebiet besitzen und zu Perfektionismus neigen, wie auch leicht Probleme bei der Vermittlung ihrer vielschichtigen Gedanken bekommen, wenn ihr komplexes Denken und die Vermittlung ihrer Schlussfolgerungen die Kommunikation im Alltag erschwert.“

                                      Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Hochsensibilität

 

Ich würde mich somit vor allem im Bereich der emotionalen und sensorischen Sensibilität wieder finden.

 

Was bringt mir die Erkenntnis?

Es erklärt vieles. Zum Beispiel, dass ich mich in Situationen mit vielen lauten Menschen in begrenzter Umgebung einfach nicht wohl fühlen kann.

Beispielsweise waren wir letztes Jahr auf einem Ableger des Oktoberfestes in Dresden. Ich hatte mich riesig gefreut, Dirndl gekauft, Haare gemacht, es sollte ein toller Abend werden. Schon recht schnell merkte ich und sicherlich auch meine Begleiter, dass ich nicht wirklich Spaß hatte. Ich versuchte zwar genauso gut drauf zu kommen wie sie, aber es war letztlich nur gespielt. Darin bin ich mittlerweile spitze. Es war laut, voll und warm. Mein Körper stand regelrecht unter Dauerstress und permanenten Fluchtmodus.

 

Ob das meine Mitmenschen verstehen oder nicht, weiß ich nicht. Sie kennen mich seit Jahren so und ich habe meinen Stempel einfach weg. Ich neige halt zur Spaßbremse.

 

Ich für mich versuche solche Situationen einfach nicht mehr entstehen zu lassen oder zu entschärfen. Deshalb habe ich für das diesjährige Oktoberfest abgesagt.

 

Und ich habe festgestellt, das ich einfach auch mal Zeit für mich brauche. Alleine. Auch wenn es blöd klingt, aber die Zeit wenn meine Männer beim Fußball sind und ich alleine und in Ruhe die Wohnung putzen kann, ist für mich Quality Time. Ich brauche einfach meine kleinen Ruheinseln. Manchmal genieße ich dann einfach die Stille.

 

weitere Weblinks:

Hochsensibel: Leben ohne Filter im Kopf. Süddeutsche Zeitung, 4. Januar 2018.

https://www.zartbesaitet.net/

Link zu Ella´s Video


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