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ICH HABE ANGST

ICH HABE ANGST! – Das  zu schreiben oder laut auszusprechen hat mich Überwindung gekostet. Jeder will stark sein in dieser Krise und keine Schwäche zeigen. Bullshit! Es ist die Wahrheit und seien wir doch mal ehrlich – einem Großteil geht es genauso. Man redet nur nicht darüber. Bloß warum?

 

Das Thema Angst ist sehr negativ behaftet. Ein Zeichen von Schwäche. Natürlich versuche ich vor meinem Kind meine Angst nicht zu zeigen um ihn nicht auch zu verängstigen, aber spätestens im Auto, auf dem Weg zur Arbeit, brechen bei mir alle Dämme und ich heule erst mal ne Runde. Oder auch zwei. Ich gebe zu, dass ich mental mittlerweile an meine Grenzen komme.

 

Das Gute immerhin ist, ich weiß wovor ich Angst habe. Als Angstpatientin weiß ich mittlerweile was Angst und Panik bei mir erzeugt. Vorrangig sind es ausgeprägte Verlustängste. Ich habe Angst, dass meine Eltern oder Großeltern sich anstecken und sterben könnten. Mein Vater ist zudem Risikopatient, denn er hat Lungenkrebs. Die denkbar schlechteste Kombi derzeit. Aber genauso habe ich mittlerweile Angst, dass wir uns selber auch stecken könnten. Wir haben gerade erst ein Haus gekauft und sanieren es und der Gedanke, dass einer von uns „ausfällt“, in welcher Hinsicht auch immer, verursacht schon ein wenig Panik.

 

Hinzu kommt mittlerweile ein Gefühl der Verzweiflung. Derzeit kann man fast nur von einem Tag auf den anderen planen. Man wünscht sich, dass alles schnell vorbeigeht und sieht aber kein Ende. Ich persönlich spüre, wie ich aktuell langsam wieder in die Depression rutsche. Diese Zeilen hier zu schreiben, ist also mehr Therapie für mich als alles andere.

 

Sich einzugestehen dass man Angst hat, kann hilfreich und befreiend sein, löst letztlich natürlich nicht das Problem. Das müssen die schlauen Köpfe machen und ich möchte derzeit nicht in deren Haut stecken. Angst ist grundsätzlich nichts schlimmes, es schützt uns im besten Fall. Also sollte man sich seiner Angst annehmen und sie vor allem wahrnehmen und ihr ab und zu durch ne Runde heulen auch mal nachgeben. Das hat einen, sagen wir mal, reinigenden Effekt und löst den Druck etwas.

 

 

Wichtig ist, wenn man vielleicht darüber redet, dass es kein Wettkampf werden darf, wer am meisten Angst haben DARF oder nicht. Für alle ist es aktuell eine ungewisse Zeit und jeder ist in irgendeiner Weise betroffen. Niemand weiß so recht, wie es weitergeht, daher sollte jedem das Gefühl von Angst zugestanden werden. Der Eine kommt besser damit klar als der andere. Was vollkommen normal und auch gut so ist. 

 

Bleibt gesund und bleibt vor allem zu Hause um diese Situation zu überstehen. Meine Hoffnung ist, dass wir daraus stärker und vielleicht auch ein wenig cleverer daraus gehen können.

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